Spitzenkickerinnen an  Werkbank tätig

Zwei Bundesliga-Fußballerinnen jobben bei der Firma BIW / Heute öffentliches Mannschaftstraining im Skidorf

Schonach. Sie sind 18 und 19 Jahre jung und gelten als große Talente im Damenfußball. Dass Lisa Schneider und Nadine Enoch derzeit an der Werkbank bei der Schonacher Firma Burger Industriewerk (BIW) anzutreffen sind, hat verschiedene Gründe.

Die beiden Fußballerinnen, die beim Sportclub Freiburg in der Damen-Bundesligamannschaft unter Vertrag stehen, bessern sich auf diese Weise ihre eigene Kasse auf. Denn im Gegensatz zu den männlichen Berufskollegen, die in der ersten Liga zugange sind, haben die Damen keine hoch dotierten Profiverträge. „Was die Mädchen leisten, ist einfach unglaublich“, meint in diesem Zusammenhang Trainer Alexander Fischinger, über den der Kontakt zu seiner alten Heimatgemeinde für die jungen Frauen schließlich zustande kam.

„Sechs Trainingseinheiten pro Woche fordern stark“, weiß der mitfühlende Coach, der eben auch die Situation der Frauen kennt, finanziell nicht annähernd so gut gestellt zu sein wie die Herren.

So kam die Gelegenheit für Torhüterin Lisa Schneider und Stürmerin Nadine Enoch natürlich gerade recht, in der Montageabteilung bei BIW etwas dazuzuverdienen. „Es ist wirklich amüsant und macht Spaß“, sagte Lisa Schneider, die sich genau wie ihre Vereinskollegin derzeit in einem Freiburger Gymnasium auf das Abitur im kommenden Jahr vorbereitet. Mit ihrer Ferienbeschäftigung tun es den beiden damit vielen weiteren „Jobbern“ gleich.

„Von Juli bis September beschäftigen wir insgesamt fast 50 Schüler und Studenten. Das machen wir nicht aus reiner Nächstenliebe. Wir bekommen dafür eine tolle Gegenleistung“, fasst BIW-Geschäftsführer Wolfgang Förtsch zusammen. Die jungen Leute seien wirklich super bei der Sache und ganz nebenbei könne vielleicht auch noch das Interesse für eine spätere Ausbildung geweckt werden. So sei es auch keine Frage gewesen, den beiden Sportlerinnen einen Ferienjob anzubieten, zumal die SC-Freiburg-Damen in Schonach auch keine Unbekannten sind.

„Beim letzten Weltcup haben sie das Rahmenprogramm mitgestaltet und danach eine gigantische Rückrunde hingelegt“, fasst Wolfgang Förtsch zusammen, der dem Team voraussagt, dass das Skidorf auch heuer in der Vorbereitung wieder ein gutes Omen darstellen wird. 

So wurde ein spontanes Trainingswochenende anberaumt, das bereits am heutigen Samstag mit dem öffentlichen Mannschaftstraining auf dem Schonach Sportplatz seinen Anfang nimmt.

„Hier haben wir tolle Unterstützung vom FC Schonach und dessen Vorsitzenden Reinhold Herr“, freut sich Fischinger, der auch in der kommenden Saison wieder aus Schützenhilfe aus seiner alten Heimat hofft. Wenn nämlich der eine oder andere Schonacher im neuen Stadion als Fan gesichtet wird, ist das ehrgeizige Saisonziel Klassenerhalt vielleicht ein bisschen einfacher zu erreichen. „Wir wollen nach Berlin“, setzt Alexander Fischinger in Sachen DFB-Pokal noch einen drauf und schmunzelt mit seinen Spielerinnen um die Wette.


INFO

> Alexander Fischinger kommt ursprünglich aus Schonach. Der ehemalige Aktive vom FC Schonach schlug nach einer Verletzung 1977 die Trainerlaufbahn ein.

>Seine Stationen führten ihn über Teningen, Schonach, Freiburg und Denzlingen zunächst nach Elzach und schließlich seit Januar dieses Jahres mit dem SC Freiburg in der Damenbundesliga.

>Fischinger hofft, mit seiner sehr jungen Mannschaft heuer mindestens Platz zehn und damit den wiederholten Klassenerhalt in Liga eins zu schaffen. Rundenstart ist am 07. September.

>Ein weiters Anliegen ist es ihm, dem Frauenfußball mehr Lobby zu verschaffen. So hofft er auch einen positiven Impuls durch die WM 2011 im eigenen Land und auf eine allmähliche Professionalisierung, mit der auch ein ordentliches Sponsoring einhergehen soll.

 

Von Daniela Schneider
Schwarzwälder Bote Mediengesellschaft

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