Senioren blicken hinter die Kulissen


Burger Industriewerk Schonach gewährt Besuchern Einblick in die Produktion

"Für gewöhnlich sind es junge Leute, die sich mit Schule oder Verein unsere Firma anschauen und Interesse zeigen. Warum sollen wir aber nicht auch mal den Senioren unsere Pforten öffnen und ihnen die Abteilungen unserer Firma zeigen", hieß Wolfgang Förtsch, Geschäftsführer der Burger Industriewerke Schonach, die Abordnung des Seniorenkreises willkommen, die sich dem "Abenteuer" der Betriebsbesichtigung stellen wollten.

Schonach. - Der Seniorenkreis war auf den Geschäftsführer zugekommen und hatte bezüglich einer solchen Führung angefragt. "Warum nicht", lautete die Antwort von Wolfgang Förtsch. Und so hatten sich etwa 20 ältere Damen und Herren zu der Besichtigung eingefunden.


Rund zwei Stunden durchquerten sie in zwei Gruppen sämtliche Abteilungen der Firma, warfen einen Blick in die Sandstrahlerei, blickten den Werkzeugmachern über die Schulter und ließen sich über die neuesten Entwicklungen der Firma berichten.

Erinnerungen werden wach

"Viele aus dem Seniorenkreis haben früher selbst in der BIW gearbeitet und nun kommen natürlich Erinnerungen hoch, die an schöne Zeiten zurückdenken lassen", so Hilde Stürzl, Vorsitzende des Seniorenkreises. Fast an jeder Ecke tauchten dann auch Mitarbeiter auf, die freudig begrüßt wurden, die sich an die Senioren erinnerten und die gerne einen kurzen Plausch hielten. "90 Prozent unserer Beschäftigten sind Schonacher", klärte Förtsch die Senioren auf, die sich teilweise auch wunderten, so viele bekannte Gesichter zu sehen. Der Geschäftsführer erzählte von den großen Kunden der Firma - BMW und John Deere - die viele Teile bei der BIW in Schonach beziehen. "Jedes der rund 100 000 Motorräder, die von BMW jährlich produziert werden, beinhaltet Erzeugnisse aus unserer Firma. Ohne uns könnte momentan kein Motorrad bei BMW die Fertigungshalle verlassen", gab Förtsch schmunzelnd zu bedenken.


Insgesamt stellt die Firma rund 8000 Erzeugnisse her. Jedes Jahr kommen bis zu 300 neue Teile hinzu. Die 250 Mitarbeiter sind dabei insbesondere im ersten Halbjahr stark beansprucht, denn die Kunden wollen bis zu 70 Prozent des Jahresbedarfs bereits im ersten halben Jahr geliefert bekommen. Ein Aspekt, der dem Geschäftsführer oft Kopfschmerzen bereitet. Und nicht nur ihm. Die Großserien werden im Drei-Schicht-Betrieb gefertigt - hier laufen die Maschinen Tag und Nacht. Diese Serien umfassen gut und gerne bis zu einer Million Stücke. Gleichzeitig gibt es aber auch Kleinstserien, die gerade mal fünf Erzeugnisse umfassen. Das Unternehmen, das 1856 gegründet wurde und 1958 der Realteilung in SBS und BIW unterzogen wurde, kommt ursprünglich aus dem Bereich der kleinen Drehteile. Erklärtes Ziel ist es, nun mehr in den Bereich der Baugruppen einzusteigen, da hier auch nicht so der Druck durch die Billig-Lohn-Länder kommt. " Wir wissen, was wir können und im Bereich der komplexen und komplizierten Herstellung sind wir nun mal wirklich gut", so Wolfgang Förtsch. Dennoch bleibt auch die BIW von dem Preisdruck nicht verschont.


Zudem machen Preisschwankungen beim Stahl einer Firma wie dem Burger Industriewerk stark zu schaffen. 2005 mussten 800.000 Euro mehr an Material- und Stromkosten bezahlt werden, obwohl die Verkaufspreise ihrer Produkte gleich blieben oder gar sanken.



Die Senioren waren angetan von dem riesigen Komplex und auch von den teils sehr freundlichen Arbeitsbedingungen. "Hier scheint das Arbeiten richtig Spaß zu machen", so die Aussage einer Dame des Seniorenkreises. In einer sich an die Führung anschließenden Präsentation wurden nochmals die Zahlen und Fakten des Burger Industriewerks aufgezeigt und die Senioren hatten Zeit, um Fragen zu stellen. Alles in allem war diese etwas andere Betriebsbesichtigung ein Erfolg aus Sicht des Seniorenkreises.
07.04.2006

Von Wolf-Wilhelm Adam
Südkurier

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