Förtsch: "Menschen wichtigstes Potenzial"

Auch in schlechten Zeiten gab es bei der Schonacher Firma BIW keine Entlassungen - Bürokratische Belastungen kritisch

Schonach. (tbc) Im Rahmen der Jubilarehrung (der SÜDKURIER berichtete) beleuchtete der Geschäftsführer der Schonacher Firma BIW die jüngere Vergangenheit, betrachtete die Gegenwart und wagte einen kleinen Ausblick in die Zukunft.

Bei der Jubilarehrung vor drei Jahren hatte Wolfgang Förtsch nach davon gesprochen, dass in absehbarer Zeit keine Sanierungen mehr anstünden. Doch betraf das eher die Außensanierungen. Die Innensanierungen gingen unvermindert weiter. Jahr für Jahr werden in Maschinen und Ausstattung zwischen 1 und 1,5 Millionen Euro jährlich investiert. "Trotz aller Sorgen ist mir vor der Zukunft nicht bange", sagte Förtsch an diesem Abend mit Blick auf die Gesellschafter Freia und Herbert Hippel sowie Klaus Leier (Klaus Peter Leier konnte an der Feier nicht teilnehmen).

Vor allem in den letzten zwei Jahren sei es gelungen, bei namhaften Kunden wie zum Beispiel BMW, John Deere, ZF Sachs oder IWIS zukunftsträchtige Projekte zum Laufen zu bringen. BMW beispielsweise baut ab 2006 kein Motorrad ohne eine BIW-Hinterradachse.

"Wir konnten Voraussetzungen und Grundauslastungen schaffen die trotz aller Sorgen meinen bekannten Optimismus begründen", meinte Förtsch. Trotz oder gerade auch durch die vielen teuren Neuprojekte mit enorm hohen Entwicklungskosten habe BIW ein äußerst schwieriges negatives Geschäftsjahr hinter sich und sicher keine einfache Zukunft vor sich. Die letzten zwei Jahre seien von massiven Umfeldverschlechterungen geprägt gewesen. Der Stahlpreis sei innerhalb eines Jahres um über 70 Prozent gestiegen; die Energiekosten stiegen Anfang dieses Jahres um 17 Prozent.

Seit 1. September bildet BIW sechs neue Azubis aus und hat somit insgesamt 19 Auszubildende. Thomas Albiez, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, übereichte dem Betrieb eine neue geschaffene Urkunde, die BIW bescheinigt, junge Menschen auszubilden. Die Firma trage so dazu bei, ihren eigenen Nachwuchs zu sichern, der später mal händeringend gesucht werden könnte. "Auch in schlechten Zeiten gab es bei BIW bisher keine Entlassungen. "Unsere Mitarbeiter sind das wichtigste Potenzial, das wir haben", stellte Förtsch heraus.

"Als bekannt schwarzer Bruder kann ich es mir leicht machen und sagen, am 18. September diesen Jahres wurde für Deutschland eine wichtige Zukunftschance vertan", blickte Förtsch auf die jüngste politische Vergangenheit. " Ich gebe allerdings auch zu, dass Fehler in der Politik schon in der schwarzen Kohl-Zeit vor 1998 gemacht wurden.

Der aber seit ein paar Jahren anhaltende allgemeine wirtschaftliche Abwärtstrend, die unsinnigen bürokratischen Belastungen und Auflagen, das Abwürgen des Motors der Deutschen Wirtschaft, nämlich des Mittelstandes: das alles hätte am 18. September 2005 gestoppt werden können. Gekonntes Schauspiel, Panikmache bis hin zur Leuteverdummung zählte vor allem im Norden und Osten aber auch im Westen und bei uns im Süden unserer Republik mehr als Ehrlichkeit", monierte Förtsch.

Zum Beispiel werde die Mehrwertsteuer-Erhöhung kommen. Egal, wer regiert. Er hoffe im Interesse des Mittelstandes und der Mitarbeiter auf eine schnelle Einigung.

10.10.2005

Von Michael Müllner
Südkurier

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