Beschwerlicher Weg findet das erhoffte Ziel
Der Schwerbehinderte Schonacher Markus Hamm hat bei der Firma BIW eine ihn erfüllende Arbeit gefunden
Schonach. Das tragische Schicksal von Markus Hamm könnte
jeden treffen. Aufgrund eines unverschuldeten Autounfalls im Sommer vor 13 Jahren wurde der damals frisch gebackene
Diplomingenieur und heute 40-jährige Schonacher aus seinem normalen Leben gerissen und von einer Sekunde auf
die andere zu 100 Prozent schwerbehindert. Ein langer Weg der Rehabilitation und der schwierigen Arbeitsplatzsuche
folgte. Eine geeignete Stelle fand Hamm nun bei der heimischen Firma Burger Industriewerk GmbH (BIW), die ihren
sozialen Pflichten mit berechtigtem Stolz über das normale Maß hinaus nachkommt.
(...)
Der Wunsch des Schwerbehinderten war es stets, einer ihn erfüllenden Arbeit nachzugehen. Ein Versuch bei einer
Triberger Firma scheiterte. Er konnte mit seinem teilweise gelähmten linken Arm die ihm zugeteilte Maschine
nicht richtig bedienen. Auch die Arbeit in der Werkstatt für Behinderte der Schwenninger Lebenshilfe war für
ihn nicht das Richtige.
Markus Hamm gab die Hoffnung jedoch nicht auf und inserierte im Sommer vergangenen Jahres im Schonacher Gemeindeblatt,
dass er im Ort eine dauerhafte Stelle sucht. BIW-Prokurist Werner Hock las die Anzeige und wandte sich an Geschäftsführer
Wolfgang Förtsch, der sich ebenfalls interessiert zeigte. Der behinderte Schonacher wurde mit seinen Eltern
zu einem Gespräch eingeladen und durfte ein Praktikum an einer Drehmaschine absolvieren. Da Hamm die Arbeit
gut bewältigen konnte, richtete die Firma BIW mit Unterstützung des Landeswohlfahrtsverbandes und des
Arbeitsamtes Villingen-Schwenningen eine weitere behindertengerechte Stelle ein. Damit Hamm "seine" CNC-gesteuerte
Drehmaschine mit seinem gesunden, rechten Arm überhaupt sieben Stunden am Tag bedienen kann, wurde sie mit
technischer Unterstützung der Freiburger Werkzeugmaschinen GmbH Georg Noll modifiziert. Das heißt,
sie wurde mit einem speziellen Zuführungsband für die Drehteile für Steuerungsketten von Automotoren
so ergänzt, wie sie auf dem Weltmarkt nicht erhältlich ist und von jedem bedient werden kann.
Bei der Vorstellung und Besichtigung des neuen Behindertenarbeitsplatzes lobte Krystian Dittmann, der Leiter des
badischen Landeswohlfahrtsverbandes, Zweigstelle Freiburg, das große, vorbildliche und nachahmenswerte Engagement
der Firma BIW bei der Einstellung behinderter Menschen. Das rund 260 Mitarbeiter zählende Unternehmen erfülle
mit nun 22 beschäftigten Schwerbehinderten ihr laut Sozialgesetz vorgeschriebenes Einstellungssoll behinderter
Arbeitnehmer in Höhe von fünf Prozent mit acht Prozent weit über das normale Maß hinaus.
Nicht zuletzt angesichts der Aufgeschlossenheit und der positiven Einstellung des Schonacher Arbeitgebers gegenüber
behinderten Mitarbeitern hat der Landeswohlfahrtsverband aus Mitteln der Ausgleichsabgabe die zirka 140 000 Euro
teure Maschine mit 50 000 Euro bezuschusst und darüber hinaus ein zinsloses Darlehen über 20 000 Euro
gewährt.
Auch Erich Liehr, Arbeitsvermittler für Schwerbehinderte beim Arbeitsamt Villingen-Schwenningen, freute sich
sehr, dass durch den vorbildlichen Arbeitsplatz, der mit der Wiedereingliederungsbeteiligung der Bundesanstalt
für Arbeit ebenfalls finanziell gefördert wird, ein gehandicapter, hoch motivierter Mensch wie Markus
Hamm aus der Werkstatt für Behinderte ohne große Bürokratie zum Jahresanfang in den so genannten
ersten Arbeitsmarkt integriert werden konnte.
Arbeitgeber, sie sich vorstellen könnten, einen Schwerbehinderten einzustellen und sich über technische
und/oder finanzielle Möglichkeiten und Hilfen informieren wollen, können dies bei der Schwerbehindertenvermittlung
des Arbeitsamtes tun.
13.04.2002
Von Christel Börsig-Kienzler
Schwarzwälder Bote Mediengesellschaft