Landeswohlfahrtsverband vergibt Auszeichnung

BIW erhält Preis für besondere Behindertenfreundlichkeit


Auszeichnung für soziales Engagement im Betrieb:

Wolfgang Foertsch (links) erhält von Gerhard Vigener die Urkunde


Schonach. Regelmäßig verleiht der Landeswohlfahrtsverband eine Auszeichnung an Unternehmen, die sich für behinderte Mitarbeiter stark machen. Dieses Jahr erhielt das Burger Industriewerk (BIW) die Urkunde.
"Vorbildliche Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung sowie die positive Zusammenarbeit mit dem Integrationsamt und den Rehabilitationsträgern waren ausschlaggebend", begründete Verbandskirektor Dr. Gerhard Vigener die Entscheidung pro Burger.
Der Automobilzulieferer beschäftigt in Schonach insgesamt 270 Mitarbeiter (Umsatz rund 22 Millionen Euro) - darunter 19 Behinderte. Damit liegt die Quote etwa 3 % höher als verlangt.

Das Verständnis nimmt zu

Bei Werner Hock und Beate Ott stösst Rouven Aliprandi (vorne) auf offene Ohren, wenn er ein Problem hat.


Geschäftsführer Wolfgang Förtsch: "Die behinderten Kollegen sind für das Miteinander in unserem Betrieb sehr wichtig. Die Akzeptanz und das Verständnis nehmen im täglichen Umgang miteinander zu."
Nur dass es manchmal etwas langsamer geht mit der Arbeit. Beate Ott vom Integrationsdienst Villingen-Schwenningen kennt das: "Stress, psychisch und geistig, verschlimmert die Krankheitssymptome. Fazit: Die Leistungsfähigkeit sinkt."
Und genau damit kommen manche Firmen nicht klar. Deshalb wird bei BIW auf die individuellen Bedürfnisse des Behinderten geachtet und situationsgerecht gehandelt. Beispiel gefällig? Rouven Aliprandi ist 27 Jahre. Seinen Realschulabschluss hat er gemacht und dann eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Aufgrund mehrerer Krankheiten gilt der junge Mann als 100 Prozent schwerbehindert. In Schonach ist er für Kalkulationen zuständig und schreibt Rechnungen - eine verantwortungsvolle Aufgabe.
Konzentriert macht er seine Arbeit, aber unter Zeitdruck kann es zu einem epileptischen Anfall kommen. Seine Kollegen wissen inzwischen damit umzugehen. BIW-Prokurist Werner Hock: "Sie müssen eben informiert sein, welche Krankheit dahinter steckt und wie man handelt. Dann spielt sich der Rest fast von selbst ein".

Unverschuldeter Verkehrsunfall

Bei den Aufträgen ist eine 100-prozentige Qualitätskontrolle gefragt: Markus Hamm leistet in der Produktion seinen Teil.


Den Eindruck hat man auch im Bereich, in dem Markus Hamm arbeitet. Er steht an einer extra für ihn eingerichteten Dreh- und Fräsmaschine. Seit einem unverschuldeten Verkehrsunfall 1988 ist der studierte Produktingenieur geistig und körperlich behindert.

Die Arbeit macht ihm Spaß und dass das Verhältnis zu den anderen Mitarbeitern hervorragend ist, merkt man an den freundlichen Kommentaren und netten Frotzeleien, die durch den Raum schwirren.
Betriebsrat Matthias Nagel bringt es auf den Punkt:" Solidarität, Verständnis und Akzeptanz kommen von allein, wenn man die behinderten Mitarbeiter erst richtig kennen gelernt hat.

von R. Steger; Fotos: R. Steger (3)

Wirtschaftszeitung AKTIV vom 16.08.2003; Ausgabe Südwest, Nummer 17

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