Vorschläge zur Leiharbeit stoßen auf
Unternehmer-Kontakt-Gruppe Furtwangen erörtert beim
Besuch der Schonacher Firma BIW aktuelle Probleme


Schonach. Die Unternehmer-Kontakt-Gruppe Furtwangen traf sich am Montag
in Schonach bei der Firma Burger Industriewerk (BIW). Dort wurden nicht nur
aktuelle Probleme erörtert. Man besichtigte auch die Produktionsanlagen des
Unternehmens. Vom Geschäftsführer Wolfgang Förtsch erfuhren die Vertreter
von neun Firmen der Region Interessantes von und zur Produktion.


Die Unternehmer-Kontaktgruppe umfasst Furtwangen, Schonach, Triberg,
Gütenbach, Vöhrenbach und St. Georgen. "Insgesamt gehören ihr 19 Betriebe
mit knapp 5000 Arbeiternehmern an", erklärte Rolf Böning, Geschäftsführer von
Südwestmetall Bezirk Schwarzwald-Hegau. In loser Reihenfolge treffen sich die
Firmenvertreter bei einem ihrer Mitglieder. Dabei werden aktuelle Themen be-
sprochen und Umfragen zur Wirtschafts- und Beschäftigtenlage erhoben.
Am Montag war auch Herr Wilser vom Arbeitsamt Villingen zu Besuch. Er ver-
suchte den Gästen das "Hartz-Konzept" nahe zu bringen. "Die Firmenvertreter
haben einhellig anerkannt, dass einige richtige Ansatzpunkte vorhanden sind", so
Böning. "Aber der Gesetzgeber hat das meiste unter Einfluss der Arbeitnehmer-
verbände verwässert!" Am heftigsten stoßen sich die Arbeitgeber dabei an den
Vorschlägen zur Leiharbeit. Sollten Leiharbeiter das gleiche Entgelt erhalten wie
die Beschäftigten, können sich das wohl die wenigsten Firmen leisten. Fazit der
Unternehmen: "Kleinere und mittlere Leiharbeiter-Firmen gehen zugrunde, das
bedeutet noch weniger Arbeitsplätze".
Nach bundesweiten Themen ging die Diskussion über die örtliche Problematik. Ein
wichtiger Punkt war die Konjunkturumfrage bei den beteiligten Firmen. Waren die
Erwartungen Mitte des Jahres wenig erwartungsfroh, veränderte sich dies kaum.
"Wenn es Firmen besser ging, lag das an Eigeninitiative, etwa durch einen höheren
Exportanteil", erklärte Fritz Vosseler, Sprecher der Kontaktgruppe und Geschäftsführer
der Firma Wehrle in Furtwangen.
Die höheren Kosten, die im nächsten Jahr drohen, wollen die meisten Unternehmer
durch Einstellungsstop oder gar Personalabbau, durch weitere Rationalisierung und
Auslagerungen von einfacheren Produktionsteilen ins Ausland abfangen. Der even-
tuelle Personalabbau soll nur durch natürliche Fluktuation vorgenommen werden.
Im Moment hält sich der Personalabbau in Grenzen. "Wir können noch auf die
Arbeitszeitkonten zurückgreifen" erklärte Wolfgang Förtsch. Einzige Ausnahme
von drohendem Personalabbau bilden die Fachkräfte. Diese werden nach wie vor
gesucht. Ein Teilnehmer: " Die beste private Arbeitslosenversicherung ist nach wie
vor eine qualifizierte Ausbildung".
Rolf Böning lobte die hervorragende Stellung der Ausbildung in den kleineren und
mittleren Unternehmen. "Bei BIW zum Beispiel wurden alle Auszubildenden der ver-
gangenen 20 Jahre auf Wunsch übernommen". Die Quote im Einflussbereich des
Kontaktkreises bei der Ausbildung soll etwa gleich bleiben wie 2001, das ein gutes
Jahr war.
Einig waren sich die Teilnehmer auch darüber, dass die Differenzierung zunehmen
wird. "Es kommt immer häufiger vor, dass der eine Betriebsteil Überstunden leistet,
der andere aber Kurzarbeit hat", betonte Vosseler. Das sähen manche Mitarbeiter
nicht immer ein, sei aber bei dringenden Aufträgen unerlässlich.
Düster sieht es bei den Investitionen aus. Die Entwicklungen liegen hier ähnlich wie
bei den Mietarbeiterzahlen. Entweder bleiben diese Zahlen auf dem Niveau der Ab-
schreibungen oder liegen sogar noch darunter. Und das obwohl nach Meinung der
Arbeitgeber Investitionen von heute die Arbeitsplätze von morgen sichern.
Auch auf die Entgeltumwandlung oder "Riesterrente" kamen die Unternehmer zu
sprechen. Die Akzeptanz bei den Firmen ist hier sehr gering bis gar nicht vorhanden.
Insgesamt gab es bei dem Zusammentreffen einige kleine Meinungsdifferenzen der
Firmenvertreter, doch in einem waren sie sich einig: "So kann es nicht weitergehen.
Wenn überall nur Geld abgeschöpft wird, kann nichts mehr investiert werden".

11.12.2002


Von Claudius Eberl
Schwarzwälder Bote Mediengesellschaft

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